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3. Die zivile Besiedlung

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Im Zuge der militärische Besetzung eines Gebietes wurde das Strassennetz ausgebaut und es kam zu einer zivilen Aufsiedlung des Landes. Im unmittelbaren Bereich der Kastelle, meist entlang der Ausfallstrassen, entstanden Dörfer, sogenannte Vici. In diesen lebten die Familien der Soldaten und zahlreiche Handwerker und Händler, die das Militär mit allem Notwendigen versorgten.

Diese Dörfer bestanden auch noch nach der Vorverlegung der Grenze, und dem damit verbundenen Wegzug des Militärs, weiter. Es entwickelten sich Städte mit überregionaler Bedeutung, wie Rottweil (Arae Flaviae) und Rottenburg (Sumelocenna).

Diorama Rottenburg
Städtische Szene von einem Diorama im Sumelocenna Museum in Rottenburg.

Eine der wichtigsten Siedlungsformen dieser Zeit war das freistehende Einzelgehöft, die Villa rustica.
In der Regel befanden sich diese Gutshöfe an leicht abfallenden Hängen, oft in der Nähe von grösseren Ansiedlungen oder wichtigen Fernhandelsstrassen. Um die lebensnotwendige Wasserversorgung sicherzustellen, suchten die neuen Siedler die Nähe einer Quelle oder eines Flusses. Auf den umliegenden Feldern und Weiden wurde Getreide angebaut und Viehzucht betrieben.

Bondorf
Rekonstruktionszeichnung des Gutshofs
von Bondorf, Kreis Böblingen

Die Villae rusticae bildeten das wirtschaftliche Rückgrat des Landes. Im Gebiet des heutigen Baden-Wüttemberg sind weit über 2000 solcher Gutshöfe bekannt. Allerdings konnte nur ein ganz geringer Bruchteil davon archäologisch untersucht werden.
Der Gutshof von Hechingen-Stein bietet mit seiner überdurchschnittlichen Grösse, den mehrfachen Um- und Erweiterungsbauten, dem ungewöhnlich guten Erhaltungszustand und der grossen Menge und Vielfalt an Funden die Möglichkeit, die Geschichte einer solchen Anlage und seiner ehemaligen Bewohner näher zu untersuchen.

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