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Eine umgestürzte Mauer und viel Wasser im römischen Gutshof von Hechingen-Stein

Wie schon im letzten Jahr befassten sich auch die Ausgrabungen 2012 in Hechingen-Stein mit der Untersuchung einer am Stück umgestürzten Mauer, die in ihrer Funktion als Binnenhofmauer zu interpretieren ist. Da an dieser Stelle die Erhaltungsbedingungen ausgezeichnet waren und hier die wohl einmalige Chance bestand, den exakten Aufbau und die ehemalige Höhe einer solchen Mauer zu klären, wurde dieser Befund seiner besonderen Bedeutung entsprechend sorgfältig dokumentiert. Dabei kamen neben der üblichen fotografischen, zeichnerischen und beschreibenden Dokumentation auch Photogrammetrie und eine Erfassung per Laserscan zum Einsatz.

Das Grabungsteam der freiwilligen Mitarbeiter in Hechingen-Stein wurde dabei vom Landesamt für Denkmalpflege tatkräftig unterstützt.

Ansicht des Grabungsfeldes von Nord. Gut sichtbar die noch liegenden Teile der umgestürzten Mauer und links die Schotterung zur Eindämmung der Sumpfbildung. In der Bildmitte oben sind drei Pfostengruben zu erkennen.
Abb.1 Hechingen-Stein.
Ansicht des Grabungsfeldes von Nord. Gut sichtbar die noch liegenden Teile der umgestürzten Mauer und links die Schotterung zur Eindämmung der Sumpfbildung. In der Bildmitte oben sind drei Pfostengruben zu erkennen.

In diesem Jahr wurde der südliche Anschluss dieser Fläche untersucht. Hier lag der obere Teil der Mauer als durchmischter Versturz und nicht in originaler Lage, aber ebenso ausschließlich östlich des erhaltenen Mauerfundaments. In dem hier sehr lockeren Versturz zeichneten sich einzelne Steinkonzentrationen ab (Abb. 1, Mitte oben), die sich dann beim weiteren Abtrag deutlich als Pfostengruben zu erkennen gaben, in denen ehemalige Mauersteine steckten. Ein weiterer Befund störte direkt das Mauerfundament, einzelne Mauersteine fanden auch hier als Verkeilsteine Verwendung. Sie sind also nachrömisch und dürfen zusammen mit den Funden germanischen bzw. frühmittelalterlichen Ursprungs der letzten Jahre als Reste einer schon lange vermuteten und auch direkt beim Hauptgebäude, aber auch westlich der derzeitigen Fläche bereits nachgewiesenen frühmittelalterlichen Bebauung zu sehen sein. Ein Hausgrundriss oder Ähnliches zeichnet sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ab, da der Bereich noch nicht vollständig untersucht ist. Daher wurde auf die Abbildung eines Plans verzichtet.
Der außerordentliche Befund ließ den Wunsch aufkommen, diesen zu konservieren und den Besuchern des Römischen Freilichtmuseums zugänglich zu machen. Es ist geplant, einen Abschnitt dieser Hofmauer originalgetreu wieder aufzubauen – die Befundlage bietet die Möglichkeit, die Mauer in ihrer ursprünglichen Höhe exakt zu rekonstruieren.
Ein daneben liegender Teil der umgestürzten Mauer soll im Originalbefund liegen bleiben. Daher wurde ein Abschnitt der liegenden Mauer gezielt steingerecht abgebaut und zur späteren Verwendung gelagert.

Große Schwierigkeiten bei den Ausgrabungen bereitete das am Hang abfließende Wasser, das besonders nach Regenfällen das Grabungsgebiet großflächig überflutete. Nach der Befundlage zu urteilen, trat dieses Problem schon in antiker Zeit auf. An einer Stelle fand sich in der Mauer ein Durchlass, der mit einem größeren Stein abgedeckt war und eine Ableitung des Wassers nach Osten hin zum Bachlauf ermöglichte. An der tiefsten Stelle, dort wo sich das Wasser sammelte, fand sich eine großflächige Schotterung, die sicherlich zur Trockenhaltung dieses Bereiches diente und eine Sumpfbildung an dieser Stelle verhindern sollte. Eine Ost–West verlaufende Steinsetzung aus hochkant gestellten Mauersteinen, welche sowohl die noch stehenden Teile der Mauer als auch den umgestürzten Abschnitt störte, erfüllte in nachrömischer Zeit wohl auch den Zweck der Wasserregulierung.

Um zu verhindern, dass die untersuchten Flächen weiterhin durch das abfließende Wasser beeinträchtigt werden, soll eine Drainage angelegt werden, um das Quellwasser zu sammeln und gezielt in den Bachlauf zu leiten. Hierfür müssen im Vorfeld noch Bereiche archäologisch untersucht werden. Zusammen mit der Untersuchung der diesjährigen Restfläche wird dies die Aufgabe der nächsten Jahre sein.

Dr. Stefan Schmidt-Lawrenz
Römisches Freilichtmuseum Hechingen-Stein

Literatur:

  • Arch. Ausgr. Baden-Württemberg 2011, 168 f.