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Untersuchungen in der römischen Gutsanlage von Hechingen-Stein, Zollernalbkreis

Bereits im Jahr 2004 konnten östlich an das Gebäude H anschließend zwei Mauerzüge festgestellt werden. Diese schließen jeweils an die nördliche und südliche Mauerecke an und sind strathigrafisch eindeutig jünger als Gebäude H. welches in die Mitte des 2. Jhd. n. Chr. zu datieren ist. In diesem Jahr wurde nun der weitere Verlauf der nördlichen Mauer weiter verfolgt. Unterbrochen durch einen modernen Waldweg zieht sich die Mauer noch auf einer Länge von 20 m weiter um dann auf eine Nord-Süd verlaufende Mauer zu stoßen. Auf den letzten Metern war diese Mauer deutlich besser erhalten und es fanden sich großflächig verteilt die Reste von Dachziegeln. Es hat den Anschein als ob sich, im Gegensatz zum übrigen Mauerverlauf, an dieser Stelle eine Überdachung befunden hat. Die Mauer selbst ist 0,7 m breit und bis zu zwei Steinlagen hoch erhalten. Das Fundament ist rund 0,3 m tief.
Wenn auch für den Eckbereich, wo die beiden Mauern aufeinander treffen eine Überdachung angenommen werden kann, gilt dies nicht für den restlichen Mauerverlauf. Unter der Maßgabe, dass eine weitere Mauer parallel in einem Abstand von rund 15 m und auf einer Länge von über 40 m südlich verläuft, ist von einer Interpretation als Gebäude abzusehen. Es hat eher den Anschein, dass die Mauern dazu dienten das Gelände zu strukturieren oder auch als künstliche Barrieren für das in diesem Bereich stark hangabwärts nach Süden errodierende Erdreich dienten.

Ein älteres Holzhaus?

 Hechingen-Stein.  Planausschnitt des Gutshofgeländes mit Eintragung der Grabungen von 2010.
Abb.1 Hechingen-Stein.
Hechingen-Stein.
Planausschnitt des Gutshofgeländes
mit Eintragung der Grabungen
von 2010

Auf der Suche nach Resten von Pfostengruben, die dieses Dach getragen haben könnten, fanden sich tatsächlich auch eine Reihe von Pfostengruben, die aber strathigrafisch eindeutig älter sind als die Mauer und auch in ihrer Stellung nichts mit dem Steinbau zu tun haben können. Es handelt sich bislang um 8 Pfostengruben, die zwei zueinander parallele Reihen bilden. Ein eindeutiger Hausgrundriß läßt sich momentan aber noch nicht ablesen. Die Gruben haben eínen Durchmesser von rund 0,6 m und eine Tiefe von noch bis zu 0,5 m. und weisen damit recht beachtliche Ausmaße auf. (Abb. 1) Im Bereich der Pfostengruben fanden sich unterschiedlich mächtige Bereiche die mit einem ortsfremden gelblich-grünem Lehm bedeckt waren. An einer Stelle zieht dieser Lehm unter die Nord-Süd verlaufende Mauer und ist damit eindeutig älter. Es ist wahrscheinlich, dass das Gelände für den Bau bzw. die Nutzung des Holzgebäudes eingeebnet wurde. Sämtliche Pfostengruben lieferten kleinteiliges, ausschließlich römisches Fundmaterial. Eventuell handelt es sich um ein Gebäude das den frühesten Siedlungshorizont zum Zeitpunkt der Errichtung des ersten Hauptgebäudes widerspiegelt. Reine Holzgebäude, die in die provinzialrömische Besiedlungszeit des Platzes zu datieren sind konnten in Hechingen-Stein bislang noch nicht nachgewiesen werden.

Seltenes vorrömisches Fundmaterial
Bei den Grabungen kamen Scherben zutage, die eindeutig nicht in provinzialrömischem Zusammenhang stehen. Sie sind frei geformt, leicht glimmerhaltig und Strichbündeln verziert. (Abb. 2) Sie erinnern stark an jene Scherben, die in einem römischen Bad bei Gammertingen, Landkreis Sigmaringen gefunden worden waren und von F. Fischer in seinem Beitrag zur Spätlatènezeit in Archäologie in Württemberg publiziert wurden. Sie liefern einen der seltenen Belege für spätlatènezeitliche Besiedlung in römischen Fundplätzen. Mit den im letzten Jahr gefundenen elbgermanischen Scherben gibt es für Hechingen-Stein nun zumindest Hinweise auf die Anwesenheit von Personen kurz vor und nach der römischen Zeit.

Dr. Stefan Schmidt-Lawrenz
Römisches Freilichtmuseum Hechingen-Stein

Literatur:

  • S. Schmidt-Lawrenz,, Arch. Ausgr. Baden-Württemberg 1995, 208 ff.
  • Ders., Die römische Gutsanlage von Hechingen-Stein. Führer zu archäologischen Denkmälern Baden-Württemberg 16, 1999, 62 ff;