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Ausgrabungen im Gebäude H der römischen Gutsanlage von Hechingen-Stein, Zollernalbkreis

Die im vergangenen Jahr begonnenen Grabungen in Gebäude H konnten in diesem Jahr fortgesetzt werden. Die Arbeiten konzentrierten sich dabei auf die östliche Haushälfte und einen Teil der Nordmauer. Wie schon im vorangegangenen Jahr ließen sich keine Innenbebauungen nachweisen. Lediglich eine größere runde Steinpackung in der Mitte des Hauses könnte als eine Substruktion für einen Holzpfosten zu interpretieren sein (Abb. ). Folglich könnte man sich eine Raumaufteilung mittels einer Holzkonstruktion vorstellen. Obwohl sich in großen Teilen der Untergrund für einen Estrichboden erhalten hat, ließen sich aber keine Spuren einer solchen Holzkonstruktion, wie Schwellbalken oder Pfostengruben nachweisen.
Das Haus selbst hat eine Länge von 16,40 m und eine Breite von 15,60 m und ist damit annähernd quadratisch. Die Erhaltung ist gut. Teilweise sind noch sieben Steinlagen des aufgehenden Mauerwerks erhalten. Ein Zugang zum Haus ließ sich in der Mitte der östlichen Außenmauer nachweisen. Es handelt sich um einen regelmäßigen Ausbruch innerhalb der Mauer, der mit außergewöhnlich großen Steinen unterfangen ist.
Zu einem späteren Zeitpunkt wurden die Süd- und die Nordmauern nach Osten hin verlängert. Ob es sich um eine Erweiterung des Hauses oder um einen eigenständigen Befund handelt muss durch weitere Grabungen geklärt werden. Da sich außerhalb der Ostmauer von Haus H keine Fußbodenhorizonte nachweisen ließen, scheint es sich nicht um eine Vergrößerung des Hauses gehandelt zu haben. Bezüglich der von Süden kommenden Hofmauer zeigte sich, dass diese stumpf an die westliche Außenmauer von Gebäude H anschließt.

Grabung 2003
Abb.1 Hechingen-Stein.
Gesamtplan von Haus H.

Auffallend ist, dass sich das sehr vielfältige Fundmaterial fast ausschließlich auf einen schmalen Streifen von rund fünf Metern innerhalb des Gebäudes entlang der Westmauer verteilt. Dass sich dabei viele fast vollständig zu ergänzende Scherben von Gefäßen fanden, kann vermutet werden, dass der Innenraum des Hauses in verschiedene Nutzungsbereiche; wie z. B. ein Küchenraum, aufgeteilt war. Reste von Tubuli, Hohlziegel, die bei der römischen Unterbodenheizung verwendet wurden, lassen auf eine solche Heizung in der Nähe schließen. Ob sich diese im noch auszugrabenden Bereich dieses Hauses befindet muss noch geklärt werden. Einige Befunde sind stratigraphisch eindeutig erst nach der Aufgabe und dem Zerfall des Hauses entstanden (Abb. ). Ungefähr in der Mitte außerhalb der Ostmauer wurde eine einschalige, trocken gesetzte Mauer angefügt. Diese ist sehr schlecht ausgeführt und wurde ohne Fundament auf die Versturzschicht von Haus H gebaut. Nach wenigen Metern biegt sie in südlicher Richtung um und bricht dann wiederum nach wenigen Metern ab.
Innerhalb des Hauses fanden sich zwei Gruben und eine Rinne, die alle in die Versturzschicht nach Aufgabe und Zerfall des Hauses eingetieft waren. Eine der Gruben war an der Sohle mit flacheren Steinen ausgelegt. Die ehemalige Funktion dieser Gruben ist noch nicht geklärt.
Die Rinne verlief in einem Abstand von rund 2 Metern parallel zur östlichen Außenmauer des Gebäudes. Sie endet stumpf an der Südmauer ohne sie zu durchbrechen und war nicht wasserführend. In ihrer Verfüllung fanden sich auffallend viele fast vollständige Tegulae. Der weitere Verlauf nach Norden ist noch nicht geklärt. Da bei der Grabung in den oberen Versturzschichten auch eine größere Menge merowingerzeitlicher Funde gemacht werden konnte, lassen sich diese Eingriffe wahrscheinlich in diese Zeit datieren. Es wird auf jeden Fall immer deutlicher, dass die Gutsanlage von Hechingen-Stein im 7. Jahrhundert besiedelt war. Zu den besonders zu erwähnenden Funden des Jahres gehören ein kleiner, eiserner Zirkel, die Hälfte eines silbernen Armreifs, dessen Ende als Schlangenkopf ausgeformt ist, und ein bronzener Knopf mit filigraner eiserner Drahtauflage. Letzterer könnte auch neuzeitlich sein.
Einige Meter südlich von Haus H steht der hier vorkommende Stubensandstein fast ohne Humusauflage an. Eine Untersuchung dieses Befundes ergab, dass einige der Felsbrocken eindeutige Bearbeitungsspuren aufweisen. Offensichtlich wurde der hier leicht zugängliche Fels als Steinbruch genutzt.

Grabung 2003
Abb.1 Hechingen-Stein.
Zirkel aus Gebäude H

Im den Archäologischen Ausgrabungen der letzen Jahre wurde über die Ausgrabung eines Schmiedegebäudes berichtet. Diese wird zur Zeit in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt rekonstruiert. Da nur die Süd- und die Westseiten dieses Gebäudes gemauert waren, wurde die Ost- und die Nordseite offen gelassen. Die Dachkonstruktion liegt auf einer massiven Balkenkonstruktion auf. Diese scheint für das doch recht kleine Gebäude recht mächtig zu sein, muss aber modernen statischen Gesichtspunkten genügen.
Da sich bei der Ausgrabung keine der sonst in Hechingen-Stein bei Steingebäuden üblichen Dachziegelschichten nachweisen ließen, hat man sich entschlossen das Haus mit einem Schindeldach zu versehen. Als Vorbild hierfür diente die Dachdeckung im Freilichtmuseum Heuneburg an der Donau. Im Gegensatz zu den dort benutzten Holznägeln werden in Hechingen-Stein aber eiserne Nägel verwendet.
Dieses Schindeldach wird den Besuchern des Freilichtmuseums eine in römischer Zeit durchaus übliche, alternative Dachdeckung zu den sonst benutzten Ziegeln zeigen.
Innerhalb des Gebäudes befinden sich die Reste von zwei Essen. Von diesen soll eine im Ausgrabungszustand belassen werden. Die andere soll rekonstruiert und in Funktion gesetzt und mittels eines Blasebalges bedient werden. Damit wird ein weiterer Aspekt des provinzialrömischen Lebens im Freilichtmuseum zu sehen sein.

Stefan Schmidt-Lawrenz
Römisches Freilichtmuseum Hechingen-Stein

Literaturhinweise:

  • S. Schmidt-Lawrenz, Arch. Ausgrab. Baden-Württemberg 2003, 135 ff.