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Ausgrabungen in Hechingen-Stein

Im Jahr 2001 konnten die Ausgrabungen in der römischen Gutsanlage nur wenige Wochen fortgeführt werden. Als vorrangiges Ziel wurde die Untersuchung eines Gebäudes, welches als Schmiede gedient hatte, abgeschlossen (Abb. 1 G). Wie bereits in den Archäologischen Ausgrabungen 2000 beschrieben, handelt es sich um ein einfaches, nach Osten offenes Gebäude. Im Inneren fanden sich die Reste von 2 Schmiedeöfen, die durch eine Zwischenwand voneinander getrennt waren. Zahlreiche Schmiedeschlackenreste zeigen, dass hier Eisen verarbeitet wurde.

Grabung 2002
Abb.1 Hechingen-Stein.
Gesamtplan des Gutshofgeländes
mit den bislang ausgegrabenen
Gebäuden. Stand 2002.

In diesem Jahr konnten die Ausgrabungen in einem neuen Gebäude begonnen werden (Abb. 1 H). Es befindet sich nördlich der Schmiede, von dieser durch die moderne Zufahrtsstraße zum Freilichtmuseum getrennt. Im Vorfeld mussten die dortigen Grundstücke aufgekauft und der Baumbestand in den zu untersuchenden Flächen abgeholzt werden. Diese Maßnahme wurde durch das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg finanziell unterstützt.

Bereits vorgenommene Sondagen ließen vermuten, dass es sich um ein quadratisches Gebäude mit einer Seitenlänge von rund 16 m handeln könnte.
Besonderes Interesse galt dem Verhältnis zu der westlichen Hofmauer. Der bereits 1978 erstellte Höhenschichtenplan mit Eintragung der erkennbaren Mauerzüge weist an dieser Stelle eine merkwürdige rechtwinkelige Umbiegung in der westlichen Hofmauer auf (AA 1998, Abb. 107). Im Laufe der nachfogenden Ausgrabungen zeigte sich, dass die Hofmauer von Süden kommend geradlinig verläuft. Sie ist an das Mühlengebäude (Abb. 1 D) angesetzt und nützte deren westliche Außenmauer. Sie trifft aber an dem neu gegrabenen Gebäude H nicht direkt auf deren südwestliche Ecke, sondern biegt an dieser Stelle um 90 Grad nach Osten um und stößt stumpf an die Gebäudeecke. Somit erklärt sich der merkwürdige Knick in der Hofmauer, der schon 1978 beobachtet werden konnte und schon damals Fragen aufwarf.
Dieser Zustand scheint nicht befriedigend gewesen zu sein. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde die Hofmauer in ihrer Flucht verlängert und dadurch begradigt.
Von Gebäude H selbst konnte in diesem Jahr das südliche Drittel freigelegt werden. Die Erhaltung ist gut, die Mauern sind in einer Höhe bis zu sieben Steinlagen erhalten. Im Inneren ließen sich bis jetzt noch keine Einbauten nachweisen. Das Nutungsniveau ist erhalten, aber es sind keine befestigten Fußböden vorhanden.
Während der Errichtung wurde das leichte Hanggefälle im Innern durch das Einbringen einer bis zu 0.40 m dicken, annähernd sterilen Lehmpackung eingeebnet.

Grabung 2002
Abb.2 Hechingen-Stein.
Symmetriescheibenfibel
aus Gebäude H

Die Vermutung, dass es sich um ein rechteckiges Gebäude handeln könnte hat sich nicht bestätigt. Zwar waren die ungefähren Ecken des Hauses durch vorangegangene Sondagen weitgehend bekannt, dies konnte aber bei der regulären Grabung nicht bestätigt werden. So wurden in Osten weitere Mauern aufgedeckt, die auf eine Vergrößerung des Hausen nach Osten und Süden schließen lassen. Auffallend ist, dass keine der Mauern mit einer anderen im Verband errichtet wurde. Dies deutet auf eine Mehrphasigkeit hin.

Erstmalig in Hechingen-Stein ließ sich an der Südseite des Gebäudes ein Traufgraben nachweisen. Er verläuft in einem Abstand von rund 1,5 m parallel zur Südmauer und biegt an deren Ostecke nach Süden ab. Er war verfüllt mit einer großen Menge von Dachziegeln, die sich auch im gesamten Bereich südlich des Hauses nachweisen ließen. Dies zeigt, dass das Haus ehemals mit einem Satteldach gedeckt gewesen war, welches nach der Aufgabe des Hauses als erstes nach Süden und Norden abrutschte und im Traufgraben zu liegen kam. Im Innern des Hauses fanden sich vergleichsweise nur wenig Ziegel.
Läßt sich aufgrund der Mauerbefunde noch keine Aussage über die ehemalige Funktion des Hauses machen, spricht das Fundmaterial eine deutliche Sprache. Es ist im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahren außerordentlich zahlreich und umfaßt ein weites Spektrum. Im Bereich des ehemaligen Fußbodenhorizontes fanden sich zahllose Reste von fast vollständigen Gefäßen. Neben Sigillaten konnten auch Dolien und bemalte Flaschen, also Gefäße zur Vorratshaltung aufgedeckt werden. Auch Reste von Glasgefäßen, wie Vierkantkrüge und eine große Menge von Metallgegenständen wie ein verzinnter Bronzelöffel sind nachgewiesen. Reste von bemaltem Wandputz und Fensterglas geben Grund zu der Annahme, dass es sich um ein Wohnhaus gehandelt hat. Dies um so mehr da, das Fundspektrum dem des Hauptgebäudes sehr ähnelt.
Die zur Datierung wichtigsten Funde fanden sich unter dem bereits erwähnten Lehmhorizont innerhalb des Hauses. Besonders zu erwähnen sind eine Symmetriescheibenfibel mit blauer und weißer Glaspasteneinlage (Abb. 2) und ein gestempelter Teller Drag. 32. Folglich dürfte das Haus in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts n. Chr. entstanden und damit etwas jünger als das Hauptgebäude sein. Dies hätte auch Konsequenzen für die Datierung der Hofmauer, die ja sowohl an Gebäude H und das Mühlengebäude D angebaut ist und somit jünger sein muß.
Bei den zukünftigen Untersuchungen gilt es zu klären, welchen Grundriß dieses Haus hatte und wie die Innenbebauung aussah. In diesem Zusammenhang wird vielleicht noch ein Altfund von Interesse sein, der bereits vor über 20 Jahren in diesem Haus gemacht wurde. Es handelt sich um eine quadratische Fundamentplatte mit abgeschrägten Seiten aus Stubensandstein. Eventuell war es die Unterlage für einen Holzpfeiler und die Innenbebauung müßte man sich als Holzkonstruktion vorstellen. Dieser Befund wäre für Hechingen-Stein bislang singulär.
Für das Freilichtmuseum selbst haben sich in den letzen beiden Jahren auch Veränderungen ergeben. Die gesamten seit 1999 ausgegrabenen Bereiche konnten nun in das Museumsgelände mit integriert werden. Parallel dazu wurde in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt das Tor zur Gutsanlage rekonstruiert (Abb. 1 F). Damit ist es nun möglich geworden einen Eindruck von den Dimensionen der Gesamtanlage zu gewinnen.

Stefan Schmidt-Lawrenz
Römisches Freilichtmuseum Hechingen-Stein

Literaturhinweise:

  • S. Schmidt-Lawrenz, Arch. Ausgrab. Baden-Württemberg 2000, 115 ff.