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Ausgrabungen in Hechingen-Stein

Die diesjährige Ausgrabungskampagne in der römischen Gutsanlage von Hechingen-Stein hatte zwei Ziele. Zum einen sollte das im vorangegangenen Jahr zu rund ¾ ausgegrabene Gebäude E vollständig freigelegt werden. Zum anderen galt es die westliche Hofmauer der Gutsanlage in diesem Bereich nach Norden hin zu untersuchen.

Gebäude E
Wie bereits erwähnt war Gebäude E schon in großen Teilen dokumentiert worden. Nur die südliche und Teile der westlichen Mauer lagen noch im Boden. Der schon bekannte schlechte Erhaltungszustand, der nichts vom aufgehenden Mauerwerk erwarten ließ, war auch in diesem Jahr zu beobachten. Als neue Erkenntnis zeigte sich, dass die südliche, dem Hanggefälle hin zugeneigte Mauer in den westlichen Bereichen mit zwei Fundamentvorsprüngen gefestigt war. Ob es sich hierbei um reine Strebepfeiler oder aber um eine Eingangsrampe gehandelt hat, muß aufgrund der schlechten Erhaltung offen bleiben. Die vermutete Rampe würde sich zum Mühlengebäude D, nur wenige Meter südlich davon gelegen, ausrichten.
Auffällig war auch, dass die Fundamentsteine im Bereich des stärksten Hanggefälles im Süden horizontal in die Fundamentgrube gesetzt waren. Eventuell wollte man so eine größere Stabilität erreichen.
Gebäude E hat eine Größe von rund 20 m auf 14 m und keine nachweisbare Innenbebauung. Daher wird es im Moment als Speicherbau interpretiert.

Grabung 2000
Abb.1 Hechingen-Stein.
Ausschnitt aus dem Gesamtplan des
Gutshofgeländes mit den Ausgrabungen
der letzten Jahre.

Bei der Untersuchung der Hofmauer zeigte sich schon in den ersten geöffneten Flächen das Tor zur Gutsanlage. Es handelt sich dabei um eine Torgasse bestehend aus zwei Mauerwangen, in einem Abstand von rund 4 m zueinander errichtet. Dieses Tor liegt im Bereich der modernen Straße und ist von dieser in den westlichen Bereichen gestört. Dennoch lassen sich noch einige konstruktive Merkmale erkennen. Im Schuttbereich zwischen den Torwangen fanden sich eine große Anzahl keilförmiger Steine. Diese waren außerordentlich sorgfältig behauen und lassen auf einen Torbogen schließen. Die sehr sauber bearbeitete Oberfläche dieser Steine könnte auf eine Steinsichtigkeit des Bogens hindeuten. Beim weiteren Abtrag zeigte sich, dass Teile der Wegschotterung zwischen den Torwangen und darüber hinaus erhalten geblieben waren. Es handelt sich um kleinteiliges Steinmaterial, vermischt mit etwas Ziegelbruch, welches direkt auf dem anstehenden Boden auflag. Dieser Weg führt vom Tor direkt auf den westlichen Haupteingang des Hauptgebäudes zu. Leider brach die Wegschotterung schon nach wenigen Metern ab. Im weiteren Bereich ließen sich noch Reste einer weiteren Schotterung erkennen, die weit über die zu erwartende Breite des Weges hinausging. Ev. handelt es sich hier um eine platzartige, geschotterte Freifläche, die sich auf eine Länge von rund 20 m ersteckte. Sie ließ einen ungehinderten Blick auf das Hauptgebäude zu. Dafür spricht auch die Tatsache, dass sich zwischen Tor und Hauptgebäude keinerlei weitere Bebauung nachweisen ließ.

Der weitere Verlauf der Hofmauer nach Norden konnte auf einer Strecke von 40 m verfolgt werden. Es zeigte sich, dass der Erhaltungszustand sehr unterschiedlich war. Ließen sich in einigen Bereichen noch einige Lagen des aufgehenden Mauerwerks beobachten, waren andere Teile nur noch als Fundament nachweisbar. Es stellte sich dabei heraus, dass dies sehr stark vom überbauten Grund abhängig ist. Grundsätzlich läßt sich sagen, dass die Hofmauer direkt an der Hangkante errichtet worden war, was teilweise ein Abrutschen des Mauerwerks mit sich brachte. In einigen Abschnitten saß das Fundament in einer wohl schon vorrömisch verfüllten Rinne, was eine Ausbeulung in der Mauer verursachte. Es zeigte sich auch, dass das die Mauer an einigen Stellen auf den anstehenden Felsen gesetzt worden war, wobei man hier auf ein Fundament verzichtet hatte.
Grundsätzlich scheint es, als ob die Hofmauer einer späteren Ausbauphase angehörte. Die relativ schlechte Qualität der Mauer und die Tatsache, dass sie, wie schon im letzten Jahr berichtet, an das ältere Mühlengebäude angebaut war spricht hierfür. Besonders deutlich zeigte sich dies aber in den nördlich gelegen Flächen, die dieses Jahr untersucht wurden.
Da diese Untersuchungen in diesem Jahr nicht abgeschlossen werden können, hier nur ein vorläufiger Vorbericht.
In den zuletzt untersuchten Flächen zeichnet sich eine Bebauung ab, die durch die später errichtete Hofmauer wieder abgetragen worden war. Deutlich zeigt sich hier eine Mehrphasigkeit, deren Verhältnis zueinander noch nicht vollständig geklärt ist.
Es scheint sich um ein größeres Steingebäude zu handeln, wobei die westliche Außenmauer fast parallel zu der späteren Hofmauer verlief. Die Ausdehnung nach Norden ist hierbei noch nicht geklärt. Die südliche Mauer verlief auf einer Länge von rund vier Metern nach Osten und endet dann. Im Inneren fanden sich, getrennt von einer schmalen, einschaligen Mauer, die Reste von zwei gleichartigen Feuerstellen. Dies bestanden aus zwei parallelen, Ost-West verlaufenden Mauernzügen mit einer Länge von jeweils 1,10 m. Diese waren sehr einfach gesetzt und bestanden aus stark verbrannten Schilfsandsteinen. Ebenfalls stark verziegelt war der Boden der Feuerstellen zwischen den Mauern. Der jeweils östliche und westliche Abschluß blieb offen. Eine Funktion dieser Feuerstellen oder Öfen läßt sich noch nicht erschließen. Die große Menge von Eisenschlacke in diesem Bereich deutet aber auf die Bearbeitung von Eisen hin.
Eventuell bringt die Erweiterung der Flächen nach Osten eine Klärung dieses Befundes.

Grabung 2000
Abb.1 Hechingen-Stein.
Rekonstruktion des Tores.

Eine weitere Mauer schloß sich nördlich an die Öfen an. Da diese Mauer den nördlich gelegenen Ofen überlappt, kann von einer späteren Phase ausgegangen werden. Diese Mauer hat eine Länge von 3,60 m mit einem kurzen Abzweig nach Westen am südlichen Ende. Im Norden war sie auf eine Ost-West verlaufende abgetragene Mauer gesetzt. Diese scheint im Verband mit der Hofmauer errichtet worden zu sein, folglich müßte die vorab genannte Mauer später als die Hofmauer und das Gebäude mit den Öfen zu datieren sein.
In den zuletzt genannten Bereichen fand sich eine außerordentlich große Menge Fundmaterial. Dabei ließen sich die zerscherbten Reste von mehreren, annähernd vollständigen Gefäßen nachweisen. Ebenso fanden sich Reste von Glasgefäßen und Metallgegenständen, darunter eine Münze.

Der wohl interessanteste Fund ist aber der Kopf einer kleinen Götterstatue aus Stubensandstein. Die zu erschließende Größe des Standbildes dürfte bei rund 40 cm gelegen haben. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass es sich um einen Teil eines sehr plastischen Reliefs gehandelt hat. Eine Bestimmung dieses Stückes ist derzeit noch nicht möglich, aber das jugendliche, von Locken umgebene Gesicht und die Andeutung einer Mütze oder Kapuze lassen an eine Darstellung des Mithras denken. Aufgrund der großen Entfernung zum Tempelbezirk ist ein Zusammenhang mit diesem nicht anzunehmen.
Aufgabe des nächsten Jahres wird es sein diesen interessanten Befund weiter zu untersuchen.
Stefan Schmidt-Lawrenz
Römisches Freilichtmuseum Hechingen-Stein

Literaturhinweise:

  • S. Schmidt-Lawrenz, Arch. Ausgrab. Baden-Württemberg 1999, 128 ff.