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Zur Fortsetzung der Ausgrabungen in Hechingen-Stein

Die vor zwei Jahren begonnenen Ausgrabungen in Gebäude C der römischen Gutsanlage von Hechingen-Stein konnten auch in diesem Jahr weitergeführt werden. Die knappen Geldmittel des Landesdenkmalamtes machten einen Spendenaufruf an die Förderer des Freilichtmuseums zur Finanzierung der Grabung notwendig. Dieser war so erfolgreich, daß es möglich war, zwei Arbeitskräfte über einen Zeitraum von sieben Monaten anzustellen. Allen Spendern, ohne welche die diesjährige Grabungskampagne nicht möglich gewesen wäre, sei an dieser Stelle herzlichst gedankt.

Grabung 1997
Abb.1 Hechingen-Stein.
Gebäude C. Vorläufiger Befundplan,
nach Perioden getrennt. Stand 1997.

Ziel der Grabung war es, den südlichen und östlichen Teil des Gebäudes C der Gutsanlage von Hechingen-Stein zu untersuchen (Abb. 1 ). Dabei bestätigten sich im wesentlichen die Ergebnisse des Vorjahres, wonach dieses Gebäude neben kleineren Umbauten mindestens einmal grundlegend verändert wurde. Diese Maßnahmen sind durch die diesjährigen Grabungen konkreter zu fassen. Da bislang jedoch nur rund die südliche Hälfte des Hauses ausgegraben ist, sind Aussagen über das Aussehen und die Funktion noch vorläufig. Dennoch zeichnet sich ein recht deutliches Bild ab.

Zusätzlich zur sonst üblichen Grabungsdokumentation wurde aufgrund der vorzüglichen Erhaltung des Mauerwerks eine photogrammetrische Aufmessung vorgenommen.

Grabung 1997
Abb.1 Hechingen-Stein.
Gebäude C. Blick auf die
Drainageleitung. Die Decksteine
sind abgenommen und
seitlich gelagert.

Periode 1
Nach dem derzeitigen Kenntnisstand bestand das Haus aus zwei Räumen, wobei der größere Maße von 11,5 x 9 Metern aufwies. Durch das starke Hanggefälle am Standort des Gebäudes mußte das Innere des Raumes vor allem im südlichen Bereich stark aufgeschüttet werden, um ein einheitliches Raumniveau zu erhalten. Einen Hinweis auf die absolute Höhe des Begehungshorizontes gibt eine Drainageleitung (Abb.2), die aus hochkant gestellten Schilfsandsteinplatten gesetzt war. Als Abdeckplatten wurde dasselbe Material verwendet. Nur die noch erhaltenen letzten 1,5 m bestanden aus Tegulae und Imbrices. Nach einem späteren Umbau war die Drainageleitung dann nicht mehr in Funktion; der südliche Teil wurde durch eine Abtiefung des Raumniveaus zerstört. Daher lassen sich keine Aussagen über die ehemalige Innenausstattung und damit über die Raumnutzung machen. Westlich schloß sich ein weiterer Raum an, der mit 5,6 x 9 Metern ungefähr halb so groß war wie der nebenan liegende. Die Mauern diese Raumes waren vorzüglich erhalten. Es ließen sich in weiten Teilen Reste von Fugenstrich feststellen. Im Innern fanden sich die Reste einer Darre (Abb.1,a). Von dieser haben sich das längsovale, in den Erdboden eingetiefte Feuerungsloch zwischen zwei großen Stubensandsteinblöcken und die Reste von zwei einschaligen Mauern erhalten.

Periode 2
Zu einem noch nicht näher zu klärenden Zeitpunkt mußte die ursprüngliche südliche Außenmauer (Abb.1 Mauer 152) erneuert werden. Es ist nicht eindeutig feststellbar, ob sie dem allzugroßen Hangdruck nicht mehr standhielt oder ob sie sich aus anderen Gründen gesenkt hatte. Auf jeden Fall wurde sie jedoch abgetragen und in leicht veränderter Form auf den Resten der älteren Mauer wieder aufgebaut. Aus Gründen der Sicherung wurde dieser neuen Mauer nun eine Reihe von Stützmauern vorgeblendet (Abb. 1 Mauern 150, 151, 157, 272, 273, 274, 275, 297). Ob die dadurch entstandenen kleinen Räume neben der Stützfunktion auch eine andere Nutzung erfuhren, ist nicht zu klären. Denkbar ist unter anderem, daß sie zur Lagerung von Holz oder Getreide dienten.
Gleichzeitig wurde die ehemalige Trennmauer (Abb.1 Mauer 191) zwischen den beiden Räumen abgetragen und rund 2 m nach Westen hin versetzt wieder aufgebaut. Der nebenangelegene Raum mit der Darre a wurde entgegen ersterer Annahme nicht wieder in Betrieb genommen. Der in diesem Teil des Hauses vorzüglich erhaltene Fugenstrich gibt Anlaß zu der Vermutung, daß die Mauern auf ein bestimmtes, einheitliches Niveau abgetragen und anschließend zugeschüttet wurden. Im Innern des nun vergrösserten Raumes wurden zwei neue Darren eingebaut (Abb.1, b und c); dabei wurde das Raumniveau im südlichen Bereich abgetieft. Der westlich der Darre b verbliebene freie Raum dürfte von einer Göpelmühle, welche von einem Maultier oder Esel betrieben wurde, eingenommen worden sein. Darauf deutet der Fund eines vollständigen Mühlsteines, bestehend aus Ständer und Läufer, an dieser Stelle hin. Reste von zwei weiteren Mühlsteinen fanden sich einmal als Spolie in Mauer 230 verbaut und einmal im Abbruchschutt des Hauses.
Dieser Raum brannte -wohl im Zusammenhang mit der offenen Befeuerung der Darren zu sehen- nach den Ausmaßen des Brandhorizontes zu urteilen, vollständig aus.

Die Untersuchungen östlich der Mauern 233 und 297 zeigten eine vergleichsweise wesentlich schlechtere Erhaltung des Grabungsbefundes. Ob dies im Anstieg des Geländes nach Osten zu begründet ist, oder ob die hier gefundenen Mauerreste, die nur noch aus der untersten Lage der Fundamentierung bestanden, lediglich Schwellfundamente für Holzbauten waren, muß offen bleiben. Ebenso ungeklärt bleibt aus demselben Grund der zeitliche Zusammenhang der Befunde östlich von Mauer 233. Sicher ist, daß sich das Gebäude in beiden Perioden nach Norden fortsetzte. Sondagegrabungen nördlich der an die Grabungsfläche anschließenden modernen Straße beweisen dies.
Wie schon im vorangegangenen Jahr fanden sich auch während dieser Grabungskampagne im Schutt des römischen Hauses merowingerzeitliche Funde. Neben der schon bekannten, zahlreich vorhandenen gelbtonigen Drehscheibenware, waren es in diesem Jahr ein Saxscheidenniet und eine weiße Glasperle mit blauer Fadenauflage, die zeigen, daß dieser Platz im 7. Jahrhundert n. Chr. besiedelt war.

Stefan Schmidt-Lawrenz
Römisches Freilichtmuseum Hechingen-Stein
Doris Schmid

Literaturhinweise:

  • S. Schmidt-Lawrenz, Arch. Ausgr. Baden.-Württemberg. 1996, 161 ff.
  • D. Baatz, Eiserne Dosierkegel. Ein Beitrag zur römischen Mühltechnik. Saalburgjahrb. 51, 1994, 19 ff.