Sitemap | Suche | FACEBOOK

Die Ausgrabungen in Gebäude C des römischen Gutshofs in Hechingen-Stein, Zollernalbkreis

Die im letzten Jahr begonnenen Grabungen im Gebäude C, welches sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Tempelbezirk befindet, konnten 1996 wieder auf die schon bewährte Weise fortgeführt werden. Neben drei über AB-Maßnahmen angestellten Grabungsarbeitern wurden wie in den letzten Jahren Grabungskurse angeboten, die mit über 20 Teilnehmern wieder auf starkes Interesse stießen. Allen Teilnehmern sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Grabung 1996
Abb.1 Hechingen-Stein.
Gesamtplan des Gebäudes C (Stand 1996).
Die Bauphasen sind durch unterschiedliche Schraffur
unterschieden. Der Bereich nördlich und östlich des
Hauses ist noch nicht untersucht.

Die schon im letzten Jahr erkannte Zweiphasigkeit dieses Gebäudes konnte in diesem Jahr bestätigt werden (Abb. 1). Des weiteren scheint sich eine dritte Bauphase abzuzeichnen, was allerdings durch weitere Grabungen noch bestätigt werden müßte. Überraschend war die Ausdehnung des Gebäudes selbst. Nach derzeitigem Stand hat das Haus eine Größe von rund 20 m auf 20 m. Allerdings ziehen sämtliche nach Norden laufenden Mauerzüge (Abb. 1; Mauern 259, 178, 191 und 233) unter die an die Grabungsfläche anschließenden modernen Straße. Bei Sondagegrabungen nördlich dieses Straße konnten diese Mauern weiter verfolgt werden, ihre Ausdehnung in nördlicher Richtung ist somit nicht abzusehen. Dasselbe gilt für den Bereich östlich von M 233, der ebenfalls noch nicht untersucht wurde. Ging man im letzten Jahr noch davon aus, daß dieses Gebäude außerhalb der schon vor Jahren ausgegrabenen und restaurierten Umfassungsmauer der Gutsanlage liegen würde, stellten wir in diesem Jahr fest, daß diese "Hofmauer" (M 233) Teil des Gebäudes selbst war. Somit ist noch zu klären, ob sich weitere Mauerzüge östlich von Mauer 233 erstrecken. Dies ist allerdings anzunehmen. Bei dem ersten Bau konnten bislang vier Räume nachgewiesen werden, wobei nur die zwei südlich gelegenen bislang vollständig ausgegraben sind. In diesen südlich gelegenen beiden Räumen, die durch eine Nord-Süd verlaufende Mauer (Abb. 1, Mauer 191) im Verhältnis 1:2 geteilt waren, fanden sich die Reste von drei Darren, die jeweils an die südliche Außenmauer angesetzt waren (Abb, 1 a, b und c). Nur die Mittlere (b) hat sich soweit erhalten, daß noch Aussagen über den Typus gemacht werden können (Abb. 2 ).

Es handelt sich dabei um eine quadratische Darre mit mehrfach durchbrochenem Einbau (Dreisbusch Typ F). Das Maß beträgt 3,20 m auf 3,20 m. Die erhaltenen Reste der beiden anderen Darren lassen auf ähnliche Ausmaße schließen. Ob es sich um denselben Typus gehandelt hat, muß offen bleiben.

Grabung 1996
Abb.3 Hechingen-Stein.
Gebäude C, Darre b. Blick von Nord.

Die längsovalen, rund 0,3 m eingetieften Feuerungsgruben lagen jeweils in Norden zwischen zwei großen behauenen Stubensandsteinblöcken, die teilweise beträchtliche Ausmaße aufwiesen. Im Bereich der Feuerungsgruben war das Erdreich stark angeziegelt, was auf eine längere Nutzungsdauer schließen läßt. Ob es sich um Darren handelte, die zum Trocknen von Getreide, Obst oder Flachs dienten, oder ob es sich um Räucherkammern handelte, kann im Moment noch nicht geklärt werden. Aufgrund des stratigrafischen Befundes kann aber geschlossen werden, daß alle drei gleichzeitig in Betrieb waren. Der Fund einer großen Getreidemühle im letzten Jahr läßt darauf schließen, daß zumindest eine der Darren zum Trocknen von Getreide diente. Dafür sprechen auch die gefundenen Keramikscherben von Dolien, die unter anderem auch zur Getreidelagerung benutzt wurden. Folglich kann davon ausgegangen werden, daß in diesem Gebäude Getreide gedörrt, gemahlen und eventuell auch gelagert wurde.

Grabung 1996
Abb.3 Hechingen-Stein.
Blick auf Gebäude C von Süden aus.
Deutlich sichtbar sind die hervorragend
erhaltenen Mauern mit Fugenstrich.

Die große Entfernung von rund 100 m zum Hauptgebäude läßt sich mit der Geruchsbelästigung erklären, welche durch die verschiedenen Trocknungsprozesse entstanden. Ungefähr in der Mitte des Gebäudes fand sich noch der Rest eines Abwassergrabens, der wohl als Drainage zu interpretieren ist. Er bestand aus schräg zueinander gesetzten Tegulae, unterhalb des ehemaligen Fußbodens.

Aufgrund stratifizierter Fund, wie z. B. bemalter latènoider Keramik, kann davon ausgegangen werden, daß dieser Bau am Ende des ersten oder beginnenden zweiten Jahrhundert errichtet wurde, und damit ungefähr zeitgleich mit dem Hauptgebäude entstand.

Zu einen noch nicht näher zu bestimmenden Zeitpunkt brannte dieses Gebäude ab und wurde mit einem völlig veränderten Grundriß wieder aufgebaut, wobei lediglich der untere Teil der Südmauer (152), wenn auch nicht auf der gesamten Länge, weiter benutzt wurde. Vor Errichtung des zweiten Baus wurden die noch stehenden Teile der alten Mauern auf ein einheitliches Niveau abgetragen, vermutlich bis auf die Höhe des durch den Brand entstandenen Schuttes. In diesen wurden dann die Fundamente der neuen Mauern eingetieft. Bei den südlich angebauten Mauern (150, 151 und 157) scheint es sich um Substruktionen für eine Art Terrasse gehandelt zu haben, da sie am Ansatz der Südmauer wesentlich niedriger erhalten waren als diese, und ein Estrichboden über sie hinwegzog. Innerhalb des Gebäudes haben sich keinerlei Reste der ehemaligen Innenausstattung erhalten. Es ist aber durchaus denkbar, daß dieses spätere Gebäude im Zusammenhang mit dem um 200 n. Chr. errichteten Tempelbezirk zu sehen ist. Ein Aussage hierzu ist allerdings im Moment noch nicht möglich, da der Grundriß dieses Hauses noch nicht vollständig vorliegt.

In den oberen Bereichen der Schuttschicht des zweiten Baues fand sich eine beträchtliche Anzahl spätmerowingerzeitlicher gelbtoniger Drehscheibenware. Da bislang, mit Ausnahme eines Pfostenloches, keine Befunde vorliegen, die diesem Zeithorizont zuzuweisen sind, wären Aussagen über die Art dieser nachrömischen Besiedlung noch verfrüht. Ebenfalls fraglich bleibt, ob diese Funde in einen Zusammenhang mit der nachrömischen Bebauung nördlich des Hauptgebäudes zu bringen sind. Hier möchte man doch von einem etwas früheren Zeithorizont ausgehen. Dennoch scheint sich, mit der gegebenen Vorsicht, eine gewisse Kontinuität der nachrömischen Besiedlung im Gutshofgelände über mehrere Jahrhunderte hinweg abzuzeichnen.

Dr. Stefan Schmidt-Lawrenz
Römisches Freilichtmuseum Hechingen-Stein.

Literaturhinweise:

  • S. Schmidt-Lawrenz, Arch. Ausgrab. Bad.-Württ. 1995, 204 ff.
  • G. Dreisbusch, Fundber. Baden-Württemberg 19/1, 1994, 181 ff.
  • M. Filgis, Fundber. Baden-Württemberg 18, 1993, 76 ff.